Interviewauszug mit dem Bund der Szenographen Sept. 18

 

Wie bist Du zum Theater gekommen?

Die Verdrehung der Wirklichkeit ist erstaunlich, und die Verabredungen zwischen Darstellenden und Zuschauern; und Theater ist immer feierlich.

Die Verbindung der verschiedenen Kunstformen im Theater gefiel mir als Teenager sehr, daß es einen mitgenommen hat ,aber unvorhersehbarer als Kino.

 

Definierst Du einen Unterschied zwischen bildender Kunst und der Kunst des Bühnen- und Kostümbildners? 

Sehr viele Formen der bildenden Kunst haben eine Ewigkeitsabsicht. Der Umgang mit einer fertiggestellten Arbeit ist dann von der Vorsicht geprägt, seinen Zustand nicht mehr zu verändern. Bühnen und Kostüme werden nur für die Zeit der Aufführung und durch das Spiel zur Kunst erklärt und verändern sich dann durch Abnutzung. Für sich allein sind sie nahezu wertlos und werden nach der letzten Aufführung entsorgt oder stehen nachfolgenden Produktionen als Material zur Verfügung. Obwohl es auch in der bildenden Kunst unterschiedlichste kollektive, inhaltliche und technische Arbeitsweisen gibt, sind diese aber sehr viel weniger zwingend als im Theater.

Welche Funktion hat  ein Bühnenbild / Kostümbild?

Als erstes muss der Raum ein guter Spielplatz sein. Spielobjekte oder Spielraum funktionieren nur selten skulptural, sondern durch Interaktion.

Das Spiel der Darsteller/Innen, nicht nur miteinander, sondern auch mit dem Raum, ist sehr erstrebenswert.

Der Raum sollte ein Eigenleben führen, und die Geschichte nicht zu direkt illustrieren. Er ist das am wenigsten Flüchtige . Die Erzählung, die Räume oder Bilder liefern können, ist vielleicht immer nur eine atmosphärische.

Kostüme sind etwas ganz anderes, sie führen, wenn man nicht wildes Märchentheater macht, kein Eigenleben,sondern müssen den Darstellern unmittelbar nutzen,ohne sie/ihn durch einen bestimmten Kleidungsstil vor- oder überzuerzählen.

 

Beeinflusst Du durch Deine  Bilder die Ideen des Regisseurs und die Spielweise der Darsteller?

Die gegenseitige „Beinflussung“ erscheint mir als eines der Grundelemente der Theaterarbeit, die formt fast alles, der Raum ist dabei ein recht mächtiges Teilchen.

Welche Rolle spielt  die Werktreue und was verstehst Du darunter?

Es spielt wohl keine grosse Rolle, ob ich es mit einem fertigen Theaterstück, einem Thema, oder einer sozialen Konstruktion , als Ausgangslage ,zu tun habe, dass ich die jeweilige Geschichte sehr ernst nehmen muss. Aber je weniger in der Produktion direkt mit einem Autor oder einem ordnenden Dramaturgen in der Entwicklung zusammengearbeitet wird, umso subjektiver werden die Erzählungen und „Ableitungen“ von den ursprünglichen Stoffen.

Falls die Geschichte authentische Elemente und „echte“ Menschen beinhaltet, wird die Verantwortung gegenüber einer Interpretation am deutlichsten, mit Literatur kann man im Theater aber machen ,was man will.

 

Kannst Du den Prozess Deiner Annäherung an ein Stück beschreiben?

Der Text oder die Geschichte oder eine Konstruktion für eine Geschichte ist der Ausgangspunkt und das ,was man am Ende erzählen will.

Dazwischen ist dann die grosse Suche nach der eigenen Erzählung darin, und die ist eine Collage aus allem , was man zum Ausgangsstoff gefunden hat.

An den meisten Informationen und Hintergründen hängen Bilder dran, und die findet man nicht ohne die entsprechenden Recherchen.

 

Wann / Wie kommen Dir die ersten Ideen?

Es beschäftigt einen dann ja sehr, aber ich bin sehr misstrauisch gegenüber den „Ideen“, man verspielt sich sehr leicht, und ich vertraue eher Entwicklungsschritten, die Entwicklung eines Konzeptes, die Proben und das sichtbare Ergebnis sind selbst ja auch schon wieder eine Geschichte und „Überaschungen“ sollten einen Bezug zum restlichen Geschehen haben.

 

 

Mit welchen Techniken arbeitest Du ?

Modellbau war sehr lange sehr wichtig für mich,für klassische Theaterräume, egal ob Guckkasten oder Blackbox . Modelle vermitteln am besten die Gegebenheiten eines Raumes, .Modellphotos zu bearbeiten, analog oder digital ist eine weiter gute Arbeitsmethode für mich. Der Übergang zu Collagen und damit weniger konkreten Gestaltungsschritten ist dabei fliessend.

Atmosphären lassen sich leichter im Bild oder einer Zeichnung erzeugen, bringen aber die Schwierigkeit mit sich ,in der Realisierung wieder Übersetzungen zu fordern. Das Modell vermittelt eine Raumvorstellung ,die sich niemand anders vorstellen kann. Auch für die Nutzung anderer Räume als Bühnen hat mir die dreidimensionale Miniaturnachbildung der Räume die besten Antworten auf ihre Beschaffenheit gegeben. In Projekten mit anders gefassten Räumen-Schulhöfe, ganze Gebäude oder Stadtteile, funktionieren die analogen Modelle leider nicht mehr.

 

Wie sehr ist eine Lichtkonzeption schon Teil einer Raumidee?

Licht ist Bestandteil des Raumes,ich finde die Trennung nicht möglich.

 

 

Musst Du die Gedanken eines Regisseurs verstehen um arbeiten zu können?

Das dient der Sache:), ich kann aber auch sehr an die poetische Kraft des jeweiligen Partners glauben, und etwas gestalten, dass ich nur als Objekt verstanden habe. Inzwischen habe ich in vielen Zusammenhängen gearbeitet, in denen dieser Dialog andere Beteiligte mit einschliesst. Das gemeinsame Erfinden ist die Grundbedingung für Theater. Vorhandene, versteckte und verschobene Hierarchien sind Bestandteil jeder menschlichen Auseinandersetzung, da Theater für mich aber auch eine soziale Konstruktion mit entsprechenden Idealen ist, freue ich mich immer, wenn die Aufhebung jeglicher Hierarchien einsetzen kann, weil das Vertrauen, der miteinander Arbeitenden, gross genug ist.

  

Durch welche Faktoren werden Bühne, Kostüm, Regie und Licht zu einem inhaltlichen und optischen Gesamtwerk?

Und Spiel und Musik und Technik………………………...Zusammenarbeit.

 

 

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Wir danken Dir für das Gespräch!